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blackmupfel

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Mittwoch, 9. Juni 2010, 11:54

Eine Rabengeschichte

Der kleine Mog


Gegen Ende Mai letzten Jahres bat mich der hier ortsansässige Jagdpächter um einen Gefallen. Mit Vergnügen sagte ich zu, als er mir erzählte, auf seinem Gartengrundstück am Ortsrand sei ein Geschwisterpärchen Rabenkrähen aus dem Nest in seinen Tannen aufs Dach seines Schuppens gefallen. Beim Heckenschneiden und Rasenmähen hätten die beiden durchweg gebrüllt. Am nächsten Tag wurden sie immer noch nicht gefüttert und so habe er die beiden mit einer Leiter geholt. Von den Eltern keine Spur.
Nun habe er aber einen Urlaub geplant und ich hätte doch Erfahrung mit Viechlein….

Die beiden waren unterschiedlich groß und kräftig und das schwächere war wohl auch verletzt, wollte nichts zu sich nehmen und starb leider in der ersten Nacht.
Der Mog - so hat er immer gerufen: Moooog, mooog… - aber schluckte gierig alles, was man ihm in den Rachen steckte und schlief selig in seinem mit Babytüchlein ausgelegten Brotkörbchen.
Nach wenigen Tagen stand das Vögelchen dann auf wackligen Beinen, weil die hinteren Zehen noch nach vorn geklappt waren. Ein paar Tage später klappte eine Zehe nach hinten. Die andere wollte nicht. Als Mog nach wiederum einigen Tagen immer noch über den behinderten Fuß stolperte, schnitt ich ein schmales Sensitiv-Pflaster zu und klebte die Zehe nach hinten. Nach knapp einer Woche und dem Pflasterentfernen genoss der Mog das Herumhüpfen mit ordentlichen Füßen.

Allerdings kratzte er sich arg viel und oft und als ich genauer nachsah, bemerkte ich ganze Scharen von Federlingen unterm Gefieder. Also – Gesichtchen zuhalten und mit Frontline einsprühen – das half.
Vögel, die nicht schwimmen können, werden zu den Sinkvögeln gerechnet... (Uli Stein)

blackmupfel

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Mittwoch, 9. Juni 2010, 11:57

Als sein „Wirkungskreis“ in Bezug auf Flattern und Verdauung größer wurde und unsere Hunde, die mit einem ordentlichen Jagdtrieb ausgestattet sind, sich an den Rudelzuwachs gewöhnt hatten, bauten wir eine Voliere.
Der „Rabenstall“ war tagsüber immer offen, mit einer Ausnahme: Als der Mog schon ein bisschen fliegen konnte, wollte er beim Hundespaziergang mit. Schon am ersten Feld fielen vier Krähen über ihn her und hackten ihn, bis er im Gras lag. Ich trug ihn heim und sperrte ihn in seinen Stall, aus Angst, er könnte wieder mitgehen. Als wir heimkamen stellte ich entsetzt fest, weil er das Eingesperrt sein nicht gewöhnt war, hatte er sich mehrere Schwanzfedern abgebrochen, als er das Gitter auf- und abgelaufen war. Deshalb blieb die Tür dann wieder immer offen…. Später hat er sich dann, wenn’s gefährlich wurde, unter Charlys Bauch versteckt. Charly ist groß, schwarz und sieht gefährlich aus…..

In einem so kleinen Dorf wie hier, spricht sich das schnell rum, wenn man eine Krähe aufzieht und eigentlich gab es nur positive Reaktionen. Vor allem viel Gelächter über mich als Hexe, weil ich fast immer schwarz angezogen bin, meines Musikgeschmacks wegen ….

Der einzige Unmensch, den hier auch sonst niemand leiden kann, muss aber gerade neben mir wohnen!
Er hasst alles und jeden, und vor allem Tiere. Ich hab früher mal behauptet, ich könne mit jedem auskommen – dieses Individuum hat mich eines besseren belehrt….

Nun hat der Nachbar von mir verlangt, ich solle den Mog einsperren, weil ich verpflichtet sei, meine Haustiere auf meinem Grundstück zu halten. Also erwiderte ich, der Mog ist kein Haustier, sondern ein Wildvogel und gehört mir nicht, ich hab ihn bloß aufgezogen. Dann fragte ich, was ihn an ihm störe. Der Rabe habe auf sein Hausdach gesch……,, war die Antwort….
Nun ließ er sich was anderes einfallen. Er zeigte mich an. Sofort und natürlich unangemeldet wurden wir von Umweltschutzpolizei überprüft. Alles wurde fotografiert und ans Landratsamt weitergeleitet. Der Mog durfte bleiben, zum Schlafen und manchmal redete, bellte oder miaute er auf den Dächern, das ist alles, was er angestellt hat und alle anderen störte es nicht.
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Mittwoch, 9. Juni 2010, 11:59

Eines Morgens wurde ich vom Polizisten gewarnt, der Nachbar habe sich wieder beklagt, der Rabe habe seine Solaranlage kaputt gehackt, das war die frechste Lüge aller Zeiten. Der Umweltpolizist hat ihm dann halt erklärt, das wäre eine privat-rechtliches Problem und ginge seine Behörde nix an…. Eine Anzeige gab es nie, weil es gar keinen Schaden gab, und ein Anwalt kostet ja auch...

Darauf hin hat ein anderer Nachbar, der den Mog sehr mochte und der auch unter dem Unmensch zu leiden hat, einem Reporter die Geschichte erzählt, das Ganze kam in der Zeitung, garniert mit einem Klischee-Bild - Mog auf meiner Schulter - und mit Bemerkungen über frühere Anzeigen – zum Beispiel, weil wir ein Skelett besitzen, welches an unserer Terrassentür steht und das die Polizei entfernen sollte ….
In der Hoffnung, wenn der Mog prominent genug ist, könnte ihm weniger passieren, spielten wir gerne mit.


Inzwischen bin ich nun hundertfünfzig Mal die verschiedenen Runden mit den Hunden gelaufen, auf denen uns zuvor fast drei Monate lang der Mog begleitet hat.
Die erste Woche ohne Mog kam ich jedes Mal total verheult heim und auch jetzt noch kann ich ´s mir oft nicht verkneifen. Zum Beispiel, immer wenn ich an einem toten Mostbirnenbaum vorbeikomme, auf dem der Mog besonders gerne saß, wenn er voraus geflogen war und auf uns wartete. Einige Tage im September stand der Sichelmond in der Morgendämmerung genau hinter diesem Baum, und dann der - na ja, ein bisschen mickrige, mauserig zerfledderte, zwerggeierähnliche - Mog auf dem kahlen Ast – und ich hatte nie den Fotoapparat dabei….

Wenn wir die letzten Häuser passiert hatten, kam der Mog meistens von seinen Beobachtungsposten auf den Dächern heruntergeflogen und lief! dann zwischen den beiden Hunden den Berg hoch zum Wald. Dorfbewohner, die uns begegneten, lachten und meinten, unserem „Dritthund“ sollten wir doch ein Stachelhalsband umlegen und eine pinkfarbene Leine würde ihm auch stehen….

Manchmal blieb der Mog auch auf dem letzten Hausdach sitzen und hielt seine Reden ans Volk, dass man ihn kilometerweit unsere Enkelin, Hunde, Katzen, Hühner und Enten imitieren hören konnte: „Oma, aua, Oma aua, miau, wuffwuff, gagack….“
Die Dorfbewohner fragten dann oft lachend: „Brunztulp, hast heut morgen Deinen Raben wieder auf meinem Dach abgestellt?“

Oder er setzte sich auf ein Brückengeländer am Ortsausgang zu den Feldern - unser Dorf ist eine „Sackgasse“, hier gibt es keinen Durchgangsverkehr - und wartete bis jemand vorbeikam. Bei Katzen knatterte er dann los wie ein Maschinengewehr, die hatten alle gehörig Respekt vor ihm. Da gibt’s auch eine kleine Fotoreihe, wie Mog-san einen roten Kater auf den Rücken legt….
Große Hunde liebte er natürlich, legte ihnen „Sturmwellen“ und spielte gern Fangen mit ihnen. So mancher Hundehalter sparte sich einen langen Marsch mit seinem Hund, wenn der Mog eine Viertelstunde den Hund „an der Nase herumführte“…
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Mittwoch, 9. Juni 2010, 12:01

Menschen gegenüber war der Mog sehr reserviert. Anfassen ließ er sich von niemand außer von mir und – je nach Laune – den Mitgliedern meiner Familie. Er hat auch nie jemand belästigt, hab immer wieder überall nachgefragt…
Bloß den bösen Nachbarn, die ihn hassten, ist er immer wieder kreischend dicht über die Köpfe geflogen. Entweder lag es am noch lauteren Kreischen der Nachbarin oder weil er es übel nahm, dass auf ihn geschossen wurde….

Als der Mog abends mal länger verschwunden war, ging ich ums Haus und da saß er und bewachte einen fast noch nackigen Spatz - nur ein paar Federkiele standen dem zu Berge...
Erstaunt, dass der Mog ihn nicht gevespert hat, trug ich den Spatz rein und 15 Tage später flog er tschilpend mitten in einen Spatzenpulk auf ein Hausdach gegenüber...

Im September änderte sich viel im Leben des Mog. Er blieb nun oft auf den Feldern zurück und ich konnte beobachten, wie er versuchte, Anschluss an die inzwischen gemeinsam pickenden Krähengruppen zu bekommen. Anfangs war er frech und wurde zurechtgewiesen, aber nie richtig böse.
Ganz besonders freute ich mich, als der Mog an einem wunderschönen Spätsommertag einen Spielkameraden fand…
Er hatte sich vorlaut gackernd – knapp an einer ähnlich mickrigen Krähe vorbeirauschend – auf die Holzstütze eines Strommasten gesetzt. Die fremde Krähe näherte sich unauffällig – eifrig pickend – schoss plötzlich hoch, warf den Mog von seinem erhöhten Sitzplatz und nahm den Platz selbst ein. Der Mog hüpfte ein bisschen hin und her und zahlte dann mit gleicher Münze heim – gackernd warf er die fremde Krähe runter. Die Hunde waren mit ihrem Lieblinssport, der Mäusejagd beschäftigt, so hatte ich mich auf die Wiese gesetzt und konnte in aller Ruhe das Rabenspiel verfolgen. Die beiden blödelten wie sich balgende Kinder oder junge Hunde, flogen sich gegenseitig verfolgend kleine Runden und kehrten immer wieder zum Strommasten zurück.
Diese kleine Krähe wartete nun fast jeden Morgen auf uns – auch jetzt noch sitzt sie einzeln am Wegrand und lässt die Hunde recht nah herankommen. Sie kennt natürlich meine Pfeifmelodie (Moog, Moog, wo bist Du?) und mein Rufen….
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Mittwoch, 9. Juni 2010, 12:04

Mein größtes Vergnügen hatte ich, wenn der Mog bei starkem Wind fliegen übte. Vom Berg aus sah ich, wie er übers ganze Dorf weg Sturzflüge übte, sich vom Wind hoch tragen ließ, kurz die Hunde „rasierte“ und weg war er wieder….Ein wunderschöner Anblick, wie er sein Leben und die Freiheit genoss… Wer so etwas einmal miterlebt hat, kann kein gesundes Wildtier einsperren – bestimmt nicht mit gutem Gewissen….

Im Garten und auf dem Feld konnte ich sehen, dass der Mog sich viel Futter selbst besorgte: Nachtfalter, Heuschrecken, tote Mäuse, Raupen, Maden, Spinnen, Beeren, Obst, Gemüse, Nüsse… Vieles weichte er erst im Gartenteich, der Vogeltränke oder Pfützen ein, bevor er es genüsslich vesperte.

Trotzdem wollte er seinen geregelten Tagesablauf, auch als er nicht mehr immer von den Hundespaziergängen mit heim kam. Spätestens um die Mittagszeit erschien er zum fressen, baden, sich putzen und schlafen. Dann ging er wieder mit auf Tour … Eine Stunde vor der Abenddämmerung saß er dann plötzlich auf der Lehne eines Terrassenstuhls und wartete auf Familiengesellschaft. Wenn ´s dunkel wurde, hüpfte er in seine Voliere und wenn ich die Tür nicht zumachte, erinnerte er mich dran, indem er mich am Ohrring zupfte.

Wie gerissen der kleine Schlawiner war, bemerkte ich, als die Hunde die ersten Walnüsse des Jahres unter einem Baum fanden. Als Charly (Charlotte) sich niederließ, um ihre Nuss zu knacken, lief der Mog immer im Kreis um sie herum um - wie immer - was zu mopsen, Charly brummelte und gab nix her. Schließlich konnte der Mog doch noch ein Stück Schale ergattern und Charly fuhr mit der großen Schnauze herum, - wie immer, wenn der Mog zu frech wurde und klaute – berührte ihn jedoch nicht. Der Mog drehte sich geschwind auf den Rücken, streckte die Füße nach oben und stimmte ein furchtbares Geschrei an – schlimmer als ein Eichelhäher – grad so, als hätte Charly einen Mordversuch an ihm unternommen.
Weil er nicht mehr auf die Füße kam, musste ich ihm helfen. Das schien ihm so peinlich zu sein, dass er gleich anschließend seinen ganzen Frust an der armen Ronja ausließ und ihr eine ganze Serie „Sturmwellen“ verpasste.

Im Lauf der Zeit hatte sich bei uns hier eine praktische Ordnung ergeben: Der Mog bekam sein Futter und wie es sich für einen Raben gehört, versteckte er immer erst das eine oder andere Hühnerherz draußen auf unserem Autostellplatz oder einige der Hundegutsele zwischen den Steinen im Garten, bevor er futterte.
Im Garten waren jede Nacht unser Igel und die Hunde unterwegs, um Rabenverstecke zu plündern.
Außerhalb des Zauns übernahm diese Säuberungsmaßnahme eine ganz scheue Nachbarskatze, die den eigenen Garten eigentlich nie verließ, außer um bei uns Hähnchenherzen zusuchen.
Das wurde ihr zum Verhängnis, denn auch sie erwischte von den vergifteten Brocken, die für den Mog bestimmt waren….
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Mittwoch, 9. Juni 2010, 22:15

Äh... :huh: , noch kurz eine Erklärung:
Die "Brunztulp" im dritten Teil ist versehentlich stehen geblieben... Sie war ein Nick für eine Literatur-Leseprobe.

LG
Gerlinde
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Mittwoch, 9. Juni 2010, 22:23

Hi Gerlinde,

soll ich ihn ändern?

LG
Peter

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Mittwoch, 9. Juni 2010, 22:30

Nee,danke Peter!
Hab gedacht, ist auch so lustig...

Liebe Grüße!
Gerlinde
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