Eines Morgens wurde ich vom Polizisten gewarnt, der Nachbar habe sich wieder beklagt, der Rabe habe seine Solaranlage kaputt gehackt, das war die frechste Lüge aller Zeiten. Der Umweltpolizist hat ihm dann halt erklärt, das wäre eine privat-rechtliches Problem und ginge seine Behörde nix an…. Eine Anzeige gab es nie, weil es gar keinen Schaden gab, und ein Anwalt kostet ja auch...
Darauf hin hat ein anderer Nachbar, der den Mog sehr mochte und der auch unter dem Unmensch zu leiden hat, einem Reporter die Geschichte erzählt, das Ganze kam in der Zeitung, garniert mit einem Klischee-Bild - Mog auf meiner Schulter - und mit Bemerkungen über frühere Anzeigen – zum Beispiel, weil wir ein Skelett besitzen, welches an unserer Terrassentür steht und das die Polizei entfernen sollte ….
In der Hoffnung, wenn der Mog prominent genug ist, könnte ihm weniger passieren, spielten wir gerne mit.
Inzwischen bin ich nun hundertfünfzig Mal die verschiedenen Runden mit den Hunden gelaufen, auf denen uns zuvor fast drei Monate lang der Mog begleitet hat.
Die erste Woche ohne Mog kam ich jedes Mal total verheult heim und auch jetzt noch kann ich ´s mir oft nicht verkneifen. Zum Beispiel, immer wenn ich an einem toten Mostbirnenbaum vorbeikomme, auf dem der Mog besonders gerne saß, wenn er voraus geflogen war und auf uns wartete. Einige Tage im September stand der Sichelmond in der Morgendämmerung genau hinter diesem Baum, und dann der - na ja, ein bisschen mickrige, mauserig zerfledderte, zwerggeierähnliche - Mog auf dem kahlen Ast – und ich hatte nie den Fotoapparat dabei….
Wenn wir die letzten Häuser passiert hatten, kam der Mog meistens von seinen Beobachtungsposten auf den Dächern heruntergeflogen und lief! dann zwischen den beiden Hunden den Berg hoch zum Wald. Dorfbewohner, die uns begegneten, lachten und meinten, unserem „Dritthund“ sollten wir doch ein Stachelhalsband umlegen und eine pinkfarbene Leine würde ihm auch stehen….
Manchmal blieb der Mog auch auf dem letzten Hausdach sitzen und hielt seine Reden ans Volk, dass man ihn kilometerweit unsere Enkelin, Hunde, Katzen, Hühner und Enten imitieren hören konnte: „Oma, aua, Oma aua, miau, wuffwuff, gagack….“
Die Dorfbewohner fragten dann oft lachend: „Brunztulp, hast heut morgen Deinen Raben wieder auf meinem Dach abgestellt?“
Oder er setzte sich auf ein Brückengeländer am Ortsausgang zu den Feldern - unser Dorf ist eine „Sackgasse“, hier gibt es keinen Durchgangsverkehr - und wartete bis jemand vorbeikam. Bei Katzen knatterte er dann los wie ein Maschinengewehr, die hatten alle gehörig Respekt vor ihm. Da gibt’s auch eine kleine Fotoreihe, wie Mog-san einen roten Kater auf den Rücken legt….
Große Hunde liebte er natürlich, legte ihnen „Sturmwellen“ und spielte gern Fangen mit ihnen. So mancher Hundehalter sparte sich einen langen Marsch mit seinem Hund, wenn der Mog eine Viertelstunde den Hund „an der Nase herumführte“…