Hallo!
Ich bin heute Abend nach Hause gefahren und wich auf der Landstraße einer Kiebitzfamilie aus. Die Küken liefen orientierungslos (so schien es mir) im Zickzack auf der Straße hin und her, in etwa 10m Höhe flog ein Elterntier laut rufend in Kreisen. Ich hätte nicht angehalten und das Schauspiel beobachtet, wenn nicht direkt auf der Straße ein Küken gesessen hätte. Ich bin großzügig drum herum gefahren.
Aber irgendwie ließ es mir keine Ruhe, dass alle Küken putzmunter auf der Straße (einspurig, sehr einsam und selten befahren) herumliefen - Nur eben dieses eine nicht.
Ich bin vorhin nochmal zurückgefahren und es saß immernoch dort. Von den Geschwistern und der Mutter nichts zu sehen. Ich hab es also eingepackt und nun vor mir sitzen.
Frage: Was tun? Ich habe bereits nach Auffangstationen gesucht, aber keine in der näheren Umgebung gefunden, zu der ich jetzt hinfahren könnnte. Donnerstag fahre ich wieder nach Hannover, da könnte ich auf dem Weg dorthin das Tier irgendwo abgeben (sollte es bis dahin überleben).
Mit Vögeln habe ich nur Kontakt, wenn ich bei meiner Mama Eier aus dem
Hühnerstall hole

Ich kann nur sagen, was augenscheinlich kaputt ist:
Es hat an dem linken Bein ein paar seeeehr oberflächliche Schürfwunden (ich habe sie nur nach genauem Suchen gefunden) und leider ist die linke mediale Zehe (also die zum anderen Füßlein hin) offen gebrochen. Die Flügel scheinen heil und funktionsfähig zu sein. Es ist ein wenig unterernährt, glaube ich - Die Carina sterni ist fühlbar, tritt aber nicht deutlich hervor. Ich weiß nicht, was da normal ist, erinnere mich aber an eine Vorlesung, in der gesagt wurde, dass die Carina fühlbar ist, wenn Vögel unterernährt sind.
Wie ernähre ich diesen Zwerg nun? Von einer anderen Seite habe ich die Info, dass man ihnen Würmer suchen soll und sie in einer flachen Schale mit Erde anbieten soll. Hab ich gemacht - Ein Wurm (kein Regenwurm, irgendwas anderes, wahrscheinlich eine Larve, alles aus dem Misthaufen) ist bereits vertilgt. Außerdem habe ich ihm 2-3 Würmchen Rindertartar angeboten, von denen er auch ein Würmchen verschlungen hat. Ans Wasser ist der Lütte noch nicht gegangen, und ich mag ihn auch zu nichts zwingen. Als lebenswilliger Nestflüchter sollte er ja selbständig trinken und futtern, oder?
Die Hautverletzung über der Fraktur der Zehe habe ich vorerst mit Xylocain (Lokalanästhetikum) schmerzfrei bekommen. Ich habe leider kein Betaisodona zum Spülen vor Ort, habe also mit etwas Zuckerwasser gespült und Gaze darauf gelegt. Leider halten meine Tapes nicht an der einzelnen Zehe, ich habe ihm jetzt notdürftig einen Plattenverband gemacht, also alle Zehen großflächig mit eingetapet, so dass es aussieht, als hätte er einen Entenfuß. Er steht auf dem Beinchen und piept ohne Unterlass, möchte aber wohl noch nicht laufen. Egal, immerhin steht er, wenn auch wacklig.
Wie soll ich weiter vorgehen (Außer weiter nach einer Aufzuchtstation suchen, sollte es die Nacht überstehen)? Habt Ihr Tips oder Tricks? Ich möchte natürlich nichts falsch machen! Und: Gibt es überhaupt Aufzuchtstationen, die auch verletzte Jungtiere (es hat noch angetrocknete Eihaut auf dem Gefieder) aufnehmen und hochpäppeln? Oder bemühe ich mich jetzt, damit es letzten Endes aufgrund seiner Verletzung euthanasiert wird, da die Gefahr besteht, dass es invalide wird? Ich meine, dass solche Tiere nicht allein aufgezogen werden sollten, damit sie danach wieder ausgesetzt werden können und sich nicht zu sehr auf den Menschen prägen.
Ich hoffe, dass sich hier jemand findet, der mir mit vielen Ratschlägen zur Seite stehen kann, bis ich eine geeignete Pflegestation für den kleinen Zwerg gefunden habe
Vielen Dank schonmal im Voraus!
silfri