Hallo,
vor drei Jahren waren wir in der gleichen Situation. Am 14. Mai 2008 fanden wir ein Elsterkind vor unserer Haustür. Er war eins von vier Jungen und aus dem Nest gefallen.Nachdem wir feststellten, dass die Eltern sich nicht kümmerten, nahmen wir das Vogelkind ins Haus. Das Tierheim lieh uns einen Papageienkäfig und wir päppelten unseren "Heintje Piepemann" auf. Er war ca. drei Wochen alt, ein sogenannter Ästling, konnte schon auf den Stangen des Käfigs sitzen, aber noch nicht fliegen. Wir versorgten ihn mit Tartar und Wasser aus einer Spritze. Das uns empfohlene Beofutter mochte er nicht. In den ersten Tagen mussten wir ihn stündlich füttern, wobei er schon gleich danach wieder sein Köpfchen unter den Flügel steckte und einschlief. Er wurde kräftiger und munterer und begann mit Flugübungen (Flattern und hüpfen von Stange zu Stange. Nach ca. 2 Wochen gaben wir ihm zusätzlich Mehlwürmer (auf die war er besonders scharf) und Weintrauben. Auch boten wir ihm eine Schüssel Wasser an zum Baden. Das hat er gleich begeistert angenommen.Schließlich ließen wir ihn im Zimmer fliegen und er machte schnell Fortschritte. Seinen Käfig stellten wir ans offene Fenster, bis er eines Tages sogar Besuch von seinen Geschwistern erhielt, die plötzlich auf dem Käfig herumturnten. An warmen Tagen stellten wir seinen Käfig in den Garten, und auch dort nahm seine Familie Kontakt zu ihm auf. Da er aber noch nicht selbständig fraß, ließen wir ihn noch nicht frei, obwohl er mittlerweile auch das Fliegen beherrschte.
Am 30 Juni war es dann so weit. Wir ließen unseren Heintje frei. Es folgte der lustigste Sommer unseres Lebens. Obwohl er tagsüber viel mit seinen Kollegen, Geschwistern und Eltern unterwegs war, kam er aber auch immer wieder zu uns. Wenn wir auf der Terrasse saßen, hatten wir keine ruhige Minute, er klaute alles, was nicht niet- und nagelfest war. Feuerzeuge, Kugelschreiber, Schmuck, - morgens kam er, wenn ich lüftete, durchs Wohnzimmerfenster geflogen, flog durch den Flur, bog ab in die Küche, landete auf dem Obstkorb, klaute sich eine Weintraube und flog von dannen.
Wenn wir im Garten waren, kam er immer, setzte sich auf die Schulter und erzählte was oder verlangte seine heißgeliebten Mehlwürmer. Morgens weckte er uns mit lautem Rufen und klopfte an die Fensterscheibe, bis jemand kam und ihm etwas leckeres brachte. In den ersten Wochen hat er mit uns auch regelrecht gespielt. Wir hatten viel Spaß mit unserem Heintje. Bis November hat er uns regelmäßig besucht und war handzahm. Über den langen Winter hat er uns dann aber wohl vergessen. Zwar schläft er immer noch in seinem Schlafbaum in unserem Garten, aber heute ist er scheu und kommt nicht mehr auf Zuruf. Wir erkennen ihn daran, dass er deutlich mutiger ist als alle anderen Elstern und viel näher ans Haus kommt. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir ihn großziehen durften und dass dann auch seine Auswilderung so gut gelungen ist.
Die erste Zeit mit unserem Heintje Piepemann war irre anstrengend, aber er hat uns das mit seiner lustigen Art gedankt und ich denke noch gerne an diesen lustigen Sommer zurück.
Vielleicht entschließt du dich ja auch, diesem kleinen Wesen ins Leben zu helfen. Wenn ja, dann wünsche ich dir viel Freude und Erfolg.
Jumpy