Möchte Euch mal diese kleine Geschichte erzählen, die mir vor 10 Tagen passiert ist:
Ich schlafe grundsätzlich bei offenem Fenster. Ein Flügel steht immer schräg, und wenn es sehr warm ist, so wie an diesem Abend, wird der andere Flügel auch noch etwas geöffnet, nicht schräg, sondern normal. Und dann wird der Vorhang zugezogen.
Morgens gegen 7.30 hörte ich ein Flattern aus Richtung Fenster. Ich dachte, da ist wieder ein Nestling aufs äußere Fensterbrett geflattert, wie es in den letzten Wochen schon häufiger vor kam. Ich zog den Vorhang auf, um nach zu sehen. Da sah ich, dass das kleine Vöglein von innen, wie eine Fliege oder ein Schneider, vor der Scheibe flatterte, und nicht verstand, warum es da nicht durch kam. Woher sollte es auch Glas kennen? Ich wollte nun das Fenster vorsichtig öffnen, um dem Nestling zu befreien. Aber wie riesig und bedrohlich muss ich wohl auf ihm gewirkt haben. Er flatterte nun zu Boden, dann unters Bett. In der Zwischenzeit hatte ich das Fenster weit geöffnet. Dann tauchte er wieder unter dem Bett hervor und startete durch in die Freiheit.
Ich hoffe, er ist nicht zu weit geflogen, da er noch in der Nähe des Nestes bleiben sollte, um in den nächsten Tagen von seinen Eltern gefüttert zu werden, bevor er es alleine kann.
Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern, als es noch ganze Schwärme von Spatzen gab. Wo ich zuletzt wohnte, in Duisburg-Marxloh, da gab es jede Menge Tauben, Elstern, Krähen, aber schon lange keine Spatzen mehr. Wie ich nachgelesen habe, steht der Spatz bei uns auf der Vorwarnliste bedrohter Tierarten, und er ist in vielen Stadtzentren überhaupt nicht mehr zu finden.
Nach meinem Umzug nach Kamp-Lintfort sah ich sie wieder, meine geliebten Spatzen. Direkt über dem Fenster meines Arbeitszimmers, in Spalten der Verblendung des Flachdaches entdeckte ich sofort ein Spatzennest. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass es etwa 6 Spatzennester über meiner Wohnung sein müssen.
Ich genieße hier die Gesellschaft der Spatzen, die ich so lange vermisst habe. Auch Rotkehlchen, Grünfinken, Amseln und einen Specht habe ich hier im großen Garten schon gesehen. Eine richtige kleine Vogel-Idylle. Zum Winter werde ich ein paar Futterhäuschen aufstellen, damit die kleinen Freunde die kalte Jahreszeit besser überstehen.
Ich werde hier etwas auf meine Spatzen aufpassen. Vor ein paar Tagen musste ich eine Elster vertreiben, die sich gerade an ein Spatzennest zu schaffen machte, aber die sind dort oben schon ziemlich sicher. Ich weiß natürlich, dass die Elster auch Ihre Daseinsberechtigung hat, aber an meine Spatzen lasse ich sie nicht ran!
Übrigens die Haubenlerche, an die ich mich als Kind auch noch sehr gut erinnern kann, ist in Deutschland nahezu ausgestorben. In NRW wurde das letzte Brutpaar 2003 nachgewiesen. Wirklich sehr schade, dass wir den Tieren nicht den Lebensraum lassen, den sie benötigen.
Sollte ich mal einen Nestling oder Ästling finden, der meine Hilfe braucht, würde ich mich gerne noch mal an Euch wenden.
Mit besten Grüßen
Herbie (der Spatzenflüsterer)