Die Ruhe vor dem Sturm

Eine kleine Geschichte zur Schönheit der Natur, wie ich sie empfinde.

An einem super schönen sonnigen Tag bin ich mal spontan zu einem sehr schönen Fleck in meiner Heimatstadt Kiel spaziert: Dem Schrevenpark.

Eigentlich wollte ich dort ein wenig die Ruhe suchen, aber was mich an diesem Tag viel mehr begeistert hat, war die Unruhe…

Der Schrevenpark ist ein Parkgelände, welches von 1900 – 1902 entstanden ist. Es ist ein schönes Fleckchen Grün in mitten der Innenstadt. Das Gelände ist so weitläufig angelegt, daß man jedoch von dem Lärm und Trubel des Verkehrs kaum noch was mitbekommt. Die Parkanlage zeichnet sich durch viel Rasenflächen, geschwungene Wege und blumenreiche Beete aus. Zwei Drittel des Parks werden vom Wasser eingenommen. Das Gewässer nennt sich Schreventeich, sollte aber keinesfalls mit einem kleinen Tümpel verwechselt werden. Früher wurde auf dem Schreventeich sogar Boot gefahren. Entlang des Ufers stehen wunderschöne Weiden, die an manchen Stellen ins Wasser hängen – der gesamte Park weist übrigens einen sehr alten und vielfältigen Baumbestand auf – und es finden sich an mehreren Plätzen kleine Stege, Bänke, die teilweise ein wenig kuschelig angelegt sind, so daß man sich richtig schön zurückziehen kann. Kurz gesagt, der Schrevenpark ist ein Ort, an dem man sich herrlich damit beschäftigen kann, eben nichts zu tun. Außer dem Rauschen der Bäume zu lauschen und die Seele baumeln zu lassen.

Dem Rauschen der Bäume…?? Ach ja, da war ja noch was…und dem Schnattern der ganzen Wasservögel! Der Schrevenpark ist eins der größten Freigehege für Wildvögel in Deutschland und weist eine große Vielfalt an Gänse- und Entenvögeln auf (auch noch anderes Getier, unter anderem wohl leider auch Schnappschildkröten, die wohl mal ausgesetzt wurden…). Hierzu gehören z. B. die Kanadagänse, Graugänse, Nilgänse, Moschusenten, Stockenten, Blesshühner und und und…Die Tiere sind zwar alle Wildvögel, aber Beauftragte der Stadt Kiel schauen immer wieder nach dem Rechten und passen vor allem auf, daß das Fütterungsverbot eingehalten wird.

So, nun habt Ihr hoffentlich eine kleine Vorstellung von diesem schönen Flecken Flora und Fauna.

An diesem sonnigen Tag als ich nun dort meine Ruhe suchen wollte, saß ich auf einer diesen schönen Rundbänke, angenehm abgeschirmt von den anderen Parkbesuchern, mit traumhaftem Blick auf das Wasser. Es war recht warm und es war um die Mittagszeit. Um mich herum war es ziemlich leise, und so döste ich entspannt in der Sonne. Zu meinen Füßen in ein paar Metern Abstand lagen etliche große Gänse. Nachdem ich sie kurz aufgescheucht hatte, als ich dort ankam, hatten sie sich wieder niedergelassen, steckten ihre Köpfchen unter ihr Gefieder und taten das Gleiche wie ich: nichts! Sie hielten Siesta. Von minimalen Ausnahmen abgesehen war es fast unheimlich still um den See herum. Es war so warm, daß die Luft ein wenig flimmerte, und so unter den Bäumen, ruhig sitzend hielt man es sehr gut aus. Also hab ich dort fast drei Stunden gesessen und einfach nur die Ruhe genossen (wahrscheinlich in weiser Vorahnung, daß ich das nun mit meinem 2jährigen Sohn nie wieder haben kann…lach).

Richtig geschlafen habe ich dort nicht, aber man kann schon sagen, daß ich plötzlich wach gerüttelt wurde. Denn irgendwas war auf einmal anders. Mittlerweile war es schon so ca. 17.00 Uhr. Ich machte die Augen wieder auf, und sah, daß am gegenüberliegenden Ufer ein paar Gänse ihre Mittagsruhe beendet hatten, und sich ins Wasser begeben hatten. Sie gaben kurze schnatternde Laute von sich. Irgendwas lag auf einmal in der Luft.

Die kleine Gruppe Gänse zu meinen Füßen hatte dies mitbekommen und alle reckten sich, sahen aufmerksam aufs Wasser. Als ich mich etwas nach vorn beugte um besser auf das Wasser sehen zu können, bemerkte ich, daß aus ganz vielen Ecken entlang des Ufers die Gänse das Land verlassen hatten, ins Wasser gewatschelt waren, und alle zur Mitte des Sees schwammen. Jetzt erhoben sich auch die Gänse vor mir. Sie schüttelten sich regelrecht den Schlaf aus den Federn, schnatterten ebenfalls kurz und auch sie machten sich auf den Weg zur Mitte des Sees. Es wurde richtig unruhig um das Gewässer herum, und ich fand es total merkwürdig, daß alle Tiere so gleichzeitig wach wurden. Sämtliche Gänse dieser Art (ich weiß es leider nicht mehr ganz genau, es waren Kanada- oder Graugänse) schienen wie auf Kommando aus ihrem Dämmerschlaf erwacht zu sein und steuerten zielsicher zu den anderen Tieren die sich auf dem Wasser bereits versammelt hatten. Diese mittlerweile recht große Schar drehte in kleinen Kreisen ihre Runde, als sammelte sie alle Tiere auf, die dazukamen…

Irgendwann konnte ich kaum mehr Tiere sehen, die dazu schwammen. Es schien, als wollten die Tiere einfach nur zusammen ne Runde schwimmen. Und ich fragte mich regelrecht, was nun passieren würde...es war wie die Ruhe vor dem Sturm.

Und plötzlich, als hätte jemand einen Startschuß gegeben, schlugen die Gänse wild mit den Flügeln, alle in eine Richtung, riefen und quäkten lauthals herum, nahmen Anlauf, trippelten mit ihren Füßen auf dem Wasser entlang, welches hoch spritze ...und… hoben ab.

Eine riesige Gänseschar erhob sich in den Himmel, als hätten sie eine Zeit ausgemacht, ganz viele Individuen bildeten ein großes Ganzes. Diese Präzision und diese Formation… das hatte fast schon was unnatürliches. Als sie anfingen abzuheben hab ich mich richtig erschrocken, weil das so plötzlich geschah. Ich hatte so einen Start von so einer großen Gruppe von Gänsen noch nie vorher live gesehen…und bis heute hab ich das nicht vergessen.

Wahrscheinlich werden viele denken „na toll…son olles Geflügel ist los geflogen, na und…?“.

Ich weiß auch nicht genau, warum mich dieser Tag so fasziniert hat, man muß wohl dabei gewesen sein…ich hoffe jedenfalls daß ich Euch einen kleinen Eindruck dieses schönen Erlebnisses verschaffen konnte. Und wenn Ihr genauso die Natur liebt wie ich, versteht Ihr mich ein bißchen „zwinker“…

Bettina

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